Vera Klima Live im Leibniz Theater Hannover

Am 6. Dezember war Vera Klima mit ihrem neuen Solo-Programm zu Gast in Hannover. Diesmal im Leibniz Theater, einem gemütlichen, kleinen Theater mit Wohnzimmeratmosphäre in der Calenberger Neustadt. Theaterdirektor Joachim Hieke eröffnete den Abend mit einer kurzen, informativen Einleitung über sein Haus, denn die meisten Gäste waren noch nicht hier. Ich übrigens auch noch nicht. Der Termin mit Vera Klima an diesem Abend kam dann wohl auch recht spontan zustande und er hat sich sehr gefreut, dass es geklappt hat.

Das Theater war gut besucht, die Gäste kamen nicht nur aus Hannover, sondern auch aus Hamburg, Bremen und Goslar – Vera hatte zu Beginn das Publikum direkt angesprochen und gefragt, wo denn die Gäste zu Hause seien und wer sie schon kennen würde. Das waren dann auch fast alle Besucher – kein Wunder, denn Vera steht sonst vor 10.000 oder mehr Zuschauern auf der Bühne.

Ich hatte Vera das letzte Mal Anfang 2017 im Capitol gesehen, dort spielte sie mit Ihrer Band, schon in der Besetzung ohne Ihre ältere Schwester. Der Rückzug von Sarah aus privaten Gründen bewegt Vera auch heute noch, Sie hat sich in den letzten drei Jahren sozusagen neu erfunden und viele Gefühle und Gedanken finden sich so auch in Texten und Musik auf ihrem neuen Album Play wieder.

Zwischenzeitlich war sie viel mit der Gruppe PUR und Max Mutzke im jeweiligen Vorprogramm sehr erfolgreich unterwegs – daher kannten sie auch die meisten Gäste an diesem Abend.

Auf der kleinen Bühne waren Instrumente und Technik für eine fünfköpfige Band versammelt, aber es war ja ein Solo-Programm. Man durfte gespannt sein. Vera erklärte dem Publikum kurz zu Beginn, wie das alles funktioniert, was ein Looper ist und wie sie damit bei ihren Songs arbeitet. Und das war mehr als beeindruckend.

Die Band habe ich an diesem Abend nicht vermisst. Nicht, das wir uns missverstehen: ich mag ihr Programm auch mit Band, aber nach diesem Solo-Abend war ich hin und weg. Für mich war das noch eine Spur mehr, das i-Tüpfelchen, wenn man so will. Weil sie es kann. Sie hat es einfach drauf, wenn sie ihre teils melancholischen, gefühlvollen, dann aber auch wieder ihre stimmungsvollen Lieder allein präsentiert. Und Veras Stimme ist einfach der Wahnsinn. Musikalisch gehört ihr Repertoire sowie schon seit einiger Zeit zum Besten, was an deutschsprachiger Musik geboten wird.

Sie wechselte je nach Stimmung der Titel die Instrumente, bereitet Rhythmus- und Gesangsteile der Lieder mit dem Looper vor, so das immer ein rundes Bild entsteht. Das Publikum wurde während des gesamten Abends immer wieder miteinbezogen, sei es nur ein Fingerschnippen oder verschiedene Gesangsaufgaben für Männer und Frauen. Das klappte hervorragend, das Leibniz-Theater war an diesem Abend voller strahlender Gesichter und guter Laune.

Zu den meisten Titel erzählte Vera auch die Entstehungsgeschichte. Ich fand das sehr informativ und unterhaltsam, man findet sich dann sofort in der Situation wieder und kann Texte und Stimmung noch besser reflektieren.

Das aktuelle Album Play ist seit einer Woche zu haben – ich habe es nach dem Konzert direkt bei Vera erworben, mit einer persönlichen Widmung. Und die CD war heute hier mehrfach im Player unterwegs. Nach den beiden melancholischen Titeln am Ende sollte man sich einen Rotwein genehmigen und gleich wieder play drücken.

Die Titel gehen unter die Haut. Es werden die sozialen Medien kritisch unter die Lupe genommen (Follower), von widersprüchlichen Anforderungen der Gesellschaft erzählt (Play), falsche Freunde thematisiert (Anna), die Gefühle bei der nicht erwiderten Liebe (Auf offenem Meer) und der Trennungsschmerz von einem geliebten Menschen beschrieben (Zeit für dich), um hier nur ein paar Titel hervorzuheben, die es mir besonders angetan haben.

Vera spielte zwei Sets mit einer Pause und danach einige Zugaben. Neben den Titeln des neuen Albums waren auch bekannte Stücke wie “Schwesterherz” oder “San Francisco” im Programm. Und das Publikum erwies sich immer wieder als sehr textsicher.

Ich habe hier eine Bilderauswahl vom Abend mitgebracht. Das Leibniz Theater, Vera Klima und das Publikum – alles zusammen ergab eine tolle Mischung. Mir hat es ausgesprochen gut gefallen.

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