Photokina 2016

Schon wieder zwei Jahre rum. Und endlich wieder Photokina. Alle zwei Jahre im September ist das ein kleines (manchmal auch großes) Fest für den Fotografen. Gibt es doch hier allerlei Neuigkeiten zu den liebsten Werkzeugen wie Kameras und Objektive und auch rund um die Präsentation der Fotos in Form von belichteten oder gedruckten Wandbildern.

Aber was war dieses Jahr los? Stellenweise kam ich mir vor wie auf einer Spielzeugmesse. Und tatsächlich scheint das Thema Fotografie sich in zwei Extreme zu entwickeln: auf der einen Seite Smartphones, Drohnen, Action-Cams – und auf der anderen Seite der Rest der ehemals professionellen Fotowerkzeughersteller, die versuchen, sich im gegen den Abwärtstrend ihres Segmentes zu stemmen. Dazwischen die unzähligen Hersteller von sicher guten Consumer-Kameras, hier gibt es immer was Neues, aber wenig Spektakuläres.

Als Nutzer und Freund von Produkten aus dem Hause Leica war meine Erwartungshaltung an meinen bis zu diesem Zeitpunkt unangefochtenen Lieblingsanbieter hoch – sogar sehr hoch. Ich erwartete wie viele andere wohl auch eine neue M. Oder wenigstens eine Ankündigung in diese Richtung. Wurde doch gerade 10 Jahre M Digital gefeiert. Und was gab es? Keine M, nicht mal eine neue T. Statt dessen eine Leica „Sofort“ – eine Sofortbildkamera für 300,- €. Noch dazu ein Fuji-Clone (oder besser Clown? In drei bunten Farben gab es die Kamera).

Leica, geht’s noch? Das ist Euer Ernst? Nur weil Fuji damit ein wenig Kohle macht und ein paar amerikanische Investoren jetzt bei Euch wohl das Sagen haben, gibt es nur noch Spielkram? Die Partnerschaft mit Huaweii fand ich in der Form schon grenzwertig, aber das hier geht gar nicht. Der Mitarbeiter am Leica-Stand war auch nicht zu irgendwelchen Kommentaren bereit, als ich fragte „wo ist denn die neue M?“ „Zur Produktpolitik machen wir keine Aussage“ hieß es kurz. Also habe ich nur zwei Fotos von dem bunten Plastik-Teil gemacht. Und dann umgedreht. Die Fotos habe ich nicht mal mitgebracht für diesen Artikel, ich finde das Teil nur albern.

Selbst in Halle 1 wurde man mit Leica Sofort gequält. Namhafte Fotografen wurden offensichtlich von Leica genötigt, mit dem Teil zu knipsen und die Ergebnisse an die eine schwarze Wand zu kleben. Davon habe ich ein Bild mitgebracht.

Wo wir gerade bei Halle 1 sind: die Ausstellung war dieses Jahr leider nicht mein Fall. Letztes Jahr war das Thema Musik natürlich mein Ding, aber dieses Jahr? Zu bunt, zu grell, zu viel Effekthascherei. China als Thema an vielen Wänden. OK für den der das mag.

Mir haben nur zwei Präsentationen gefallen. Da war die grüne Wand mit Kurt Hutton (eigentlich Kurt Hübschmann, * 1893 in Straßburg; † 1960 in Aldeburgh, Suffolk). „So muß Foto“, dachte ich spontan. Bilder unten im Album.
Dann die rote Wand mit Skater-Fotos von Fred Mortagne. Sehr feine Werke, auch hier blieb ich länger stehen und betrachtete jedes Bild genauer.

Zurück zu Halle 2: direkt gegenüber von Leica war der Stand von einem anderen Lieblingshersteller – der Firma Hasselblad aus Göteborg. Die hatte kurz vor der Messe die X1D präsentiert. Handgefertigt in Schweden, als Herz den bekannten Sony „Mittelformat“-Sensor mit 50 MP. Drei Objektive zur Zeit erhältlich, diese laufen aus Auftragsfertigung bei einem nicht genannten Hersteller in Asien vom Band. Ich vermute mal Cosina dahinter, die auch für Zeiss bauen. Das gesamte Paket machte einen sehr guten Eindruck. Der Sucher nicht so hochauflösend wie bei Leica Q und S, aber der Reste sehr stimmig, durchdachtes und intuitives Bedienkonzept inklusive. Irgendwie Leica-like dachte ich mir und musste innerlich schmunzeln.

Diese Kamera werde ich mir demnächst mal für ein paar Tage ausleihen, interessiert mich sehr. Meine Versuche mit der Leica S waren ja letztes Jahr nicht sehr erfolgreich, Kamera und Objektiv gingen zurück, zweimal defekt. Und die S ist viel zu groß. Am Stand der Schweden war auch richtig Betrieb. Gegenüber bei Leica im neuen „Professional“-Bereich zwar auch, aber das sah eher nach Kaffee und Kuchen aus, während man bei Hasselblad überwiegend Besucher mit echten Kameras in der Hand sah.

Hasselblad hatten wohl viele nicht mehr auf dem Zettel, die X1D und die weiteren Ausblicke, die man hier gezeigt hatte, waren für mich dieses Jahr das absolute Messe-Highlight.

In meinem Bilderalbum dann noch zwei drei Impressionen, darunter ein Mazda MX5 – was Mazda hier auf der Messe mit dem großen Stand wollte, habe ich zwar nicht verstanden, der Wagen ist aber auf jeden Fall ein Hingucker und ein Foto wert

Zum Schluß ein Selfie im Fahrstuhl – vor zwei Jahren gab es eines auf der Hohenzollernbrücke. Ich bin gespannt, was sich bis zur nächsten Photokina 2018 tut. Ob es dann eine reine Spielwarenmesse wird und ob das Marktsegment der hochwertigen Fotoapparate noch in der Form repräsentiert sein wird. Der Stand von Leica war jedenfalls nur noch 1/4 dessen, was man die Jahre zuvor präsentiert hat. Nun ja, es zählt, was hinten rauskommt. Und das ist das Bild. Neue Werkzeuge brauche ich eigentlich noch nicht wirklich. Aber eine neue M mit besseren Möglichkeiten, mein Noctilux präziser zu fokussieren, wäre schon nett gewesen. Wir sehen uns dann 2018.

 

  1. Pingback: Hasselblad X1D-50c – Rob Cale

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