Fahrbericht Citroën DS5 hybrid

Motivation

Fahrzeugverteilung nach Hersteller (1983-2013)

Automobile der Marke Citroën gehören neben denen von Mercedes-Benz zu meinen bevorzugten Fahrzeugen. Das kann man auch dem beiden Diagrammen entnehmen. Die Werte basieren auf der zeitlichen Haltedauer von 23 Fahrzeugen, die ich während der letzten 30 Jahre (in manchen Zeiten auch 2-3 Fahzeuge gleichzeitig) gefahren bin.

Fahrzeugverteilung nach Hersteller und Typ (1983-2013)


Bis Herbst 2010 war ich drei Jahre mit einem Citroën C6 unterwegs; seitdem mit einem MB C220. Aber der DS5 hybrid interessiert mich schon seit einiger Zeit, und 2013 könnte es ein Ersatzfahrzeug geben. Also zur Citroën-Niederlassung und eine Probefahrttermin vereinbart. Am letzten Dienstag war es dann soweit: ich bekam einen weißen DS5 hybrid und fuhr ein ausgiebige Strecke – Stadt, Autobahn und Landstraße. Von Hannover Richtung Hildesheim und zurück. Meine Kamera war natürlich auch dabei und so habe ich hier ein paar Bilder, die ich mit einem kleinen Bericht präsentiere.

DS5 - Heckansicht
DS5 – Heckansicht

 

Der erste Eindruck

Nach einer kurzen Einweisung durch den Mitarbeiter der Citroën-Niederlassung nahm ich auf dem Fahrersitz platz. Die Sitze sehen nicht nur bequem aus, sie sind es auch. Vor allem mit gutem Seitenhalt und elektrischen Einstellmöglichkeiten – auch für die Lendenwirbelsäulenstütze. Die Beinauflage kann bei Bedarf ebenfalls verstellt werden. Die Ledersitze sind wie der Rest der Interieurs ausgezeichnet verarbeitet und erwartungsgemäß auch mit einer Sitzheizung ausgestattet. Der gesamte Innenraum ist futuristisch aber dabei dennoch nicht abgehoben gestaltet, das Design ist sicher Geschmacksache, aber ich finde es richtig Klasse.

Klare Linienführung, aufgeräumte Schalterreihen in der Mittelkonsole und auch darüber in der von zwei Glasdachhälften umrahmten Dachkonsole – und ein sehr gut integriertes Multifunktionsdisplay. Vor allem der letzte Punkte ist bei vielen Modellen anderen Anbietern mehr oder weniger lieblos gelöst – ich denke heir mit Schrecken an den aufgesetzten Möchtegern-Tablet-Computer in der aktuelle A- und B- Reihe von Mercedes.

Die Qualität und Haptik der Materialien im DS5 ist absolut auf dem Standard anderer sogenannter Premiumfahrzeuge aus deutscher Produktion. Hier braucht sich der extravagante Franzose nicht zu verstecken, ganz im Gegenteil.

DS5 - Blick auf das Armaturenbrett
DS5 – Blick auf das Armaturenbrett

 

Das zentrale Bedienelement in der Mitte funktioniert ähnlich wie von meinem Mercedes gewohnt. Die Klimaautomatik lässt sich links und rechts ebenfalls getrennt temperieren. Der Schalthebel ist vergleichsweise klein, aber gut zu bedienen. Das es keine Stellung P gibt, wurde in anderen Tests negativ bewertet – ich habe das P nicht vermisst, denn die elektronische Feststellbremse funktioniert vollautomatisch – bei Bedarf aber auch über Knopfdruck.

Wenn man das Fahrzeug über den Start-Knopf direkt unter der Uhr aktiviert hat, setzt sich der Wagen nach Wahl der Getriebeposition A mit einem Druck auf das Gaspedal zunächst lautlos in Bewegung – sofern man den runden Schaltknopf für die Betriebsart (direkt neben dem Schalthebel) nicht gerade auf Sport gestellt hat. Bei nachhaltigem Druck auf das Gaspedal springt dann auch dezent wahrnehmbar der Dieselmotor an. Die jeweilige Betriebsart wird im Display rechts neben dem Tachometer angezeigt. Links daneben findet sich eine Anzeige für den Energieverbrauch oder die Energiezuführung zur Batterie.

Zu weiteren technischen Details verweise ich an dieser Stelle auf die Website des Herstellers oder der professionellen Automobil-Tester. Für mich stand in erster Linie die Praxistauglichkeit und die Beantwortung der Frage Würde ich so ein Auto täglich fahren wollen im Vordergrund.

Fahren im Stadtverkehr

Los ging’s direkt im Berufsverkehr an der Vahrenwalder Straße Richtung Kirchrode. Der Wagen nimmt einem dabei jegliche Arbeit ab und bewegt sich mit angenehmer Geräuschkulisse durch die Straßen. Spätestens an der roten Ampel geht der Dieselmotor aus, meistens aber auch schon vorher, denn sobald man im Verkehr mitschwimmt, passiert das überwiegend mit elektrischem Anschub, bei Bedarf nach mehr Tempo kommt der Diesel wieder dazu. Das ganze geht so selbstverständlich, als würde das bei einem Auto schon immer so sein. Die erwähnte reduzierte Geräuschkulisse wird einzig durch das laute Geräusch des Blinkers getrübt – das könnte der Hersteller bestimmt nochmal überdenken.

DS5 - Frontansicht
DS5 – Frontansicht

 

Von Kirchrode ging es nach einem kurzen Zwischenstop (M9 mit 50mm Summilux abholen) weiter über den Messeschnellweg auf die A7 Richtung Süden.

Autobahnfahrt

DS5 von hinten
DS5 von hinten

 

Auf der Autobahn verhält sich der Wagen recht unspektakulär, der Elektromotor alleine kommt hier nur beim Lastwechsel zum Einsatz, bei schnellerer Fahrt sind abwechselnd entweder beide Antriebe oder der Dieselmotor am Werk. Je entspannter man fährt, desto hybrider gestaltet sich der Vortrieb und desto häufiger schiebt der Elektromotor an. Das Innenraumgeräusch ist auf von anderen Fahrzeugen gewohntem Niveau, Wind- und Rollgeräusche mischen sich unter das dezente Diesel-Knurren.

DS5 von vorne
DS5 von vorne

 

Alles in allem aber sehr angenehm – auch die Massagefunktion des Fahrersitzes, die ich inzwischen eingeschaltet habe. Die Lenkung verfügt über relativ hohe Rückstellkräfte, daran muß man sich ein wenig gewöhnen. Ich fühlte mich spontan an meine Zeiten im CX erinnert. Nach ein paar Minuten Autobahn fuhr ich in Hildesheim von der A7 ab, durch die Stadt und in einer Schleife über Land zurück Richtung Hannover.

Kleines Fotoshooting

DS5 im Profil
DS5 im Profil

 

Davor ging es bei passender Gelegenheit mal rechts ran und ich machte ein paar Bilder in der Abenddämmerung. Die Silhouette des Wagens erinnert von der Seite an eine Mischung auch Van und Coupe – ein klein wenig auch an das R-Modell von Mercedes. Ich finde die Linienführung jedefalls sehr gelungen – wenngleich die Rundumsicht gerade nach hinten ein wenig darunter leidet. Aber dafür ist eine Rückfahrkamera an Bord, die automatisch bei Einlegen des Rückwartsganges den Blick nach hinten über den Bildschirm ermöglicht. Ein kleiner Negativpunkt in der optischen Gestaltung ist leider der Heckscheibenwischer im Miniaturformat – den hätte man nicht wirklich gebraucht.

Zum Fahrkomfort

Von einem Franzosen erwartet man natürlich auch den typisch französischen Fahrkomfort. Mir war aber auch klar, daß ich aufgrund der fehlenden Hydropneumatik keine Wunder erwarten durfte. Und so benimmt sich der DS5 dann auch eher typisch deutsch. Fast ein wenig zu deutsch – soll heißen, sehr straff abgestimmt. Was auf der Autobahn und der Landstraße im Prinzip ganz angenehm ist – solange die Straße einigermaßen in Ordnung ist. Wenn nicht, dann merkt man Unebenheiten recht deutlich.

DS5 - Heckansicht
DS5 – Heckansicht

 

Ich bin diese Art Fahrwerk aber inzwischen auch vom C220 gewohnt – die beiden nehmen sich nicht viel, der DS5 ist vielleicht noch ein wenig härter und direkter abgestimmt. Eine Version mit hydraktivem Fahrwerk – so wie beim C5 – wäre auch nicht schlecht. Oder es gibt doch noch einen DS6 – mal sehen, was im nächsten Jahr von Citroën noch kommt.

Fazit und Botschaft an den Hersteller

Die Frage Würde ich so ein Auto täglich fahren wollen stand ganz oben auf meiner abschließenden Wertung. Und das kann ich vorweg nehmen: ja, in jedem Fall ist der DS5 in der gefahrenen Ausstattungsvariante für mich eine echte Alternative.

Der Wagen macht Spaß, fällt sicher aus dem Rahmen des Gewohnten und ist ein deutlicher Kontrast z.B. zu einem C220. Mir gefällt das Design, die gute Verarbeitung und die angenehmen Materialien. Ganz besonders aber das entspannte Gleiten in der Stadt und auf der Landstraße – und bei entsprechender Zurückhaltung im Fahrstil auch auf der Autobahn.

DS5 - Blick in das Cockpit
DS5 – Blick in das Cockpit

 

Es gibt allerdings auch ein paar Punkte, die man m.E. besser machen könnte: das Fahrwerk könnte etwas komfortabler abgestimmt werden, das Blinkergeräusch ist störend und der Heckwischer überflüssig. Und für ein noch wertigeres Qualitätsempfinden könnten die Türen noch ein kleine Schalldämpfung im Inneren vertragen. Besonders die hinteren Türen klingen etwas hohl beim Öffnen und Schließen.

Für mich als Musik-Liebhaber ist der größte Minuspunkt aber die fehlende Möglichkeit, die Denon-Musikanlage mit dem Hybrid-Modell zu kombinieren. Das kann eigenlich nicht sein, daß nur wegen der Batterie im Kofferraum der Konzertsaal gesperrt bleibt. Das könnte ein echter Hinderungsgrund werden. Liebe Citroën-Ingenieure, daß kann man bestimmt auch anders lösen…

Mein Mercedes C220 ist auf jeden Fall noch mindestens ein Jahr im Einsatz. Ich bin pro Jahr zwischen 30.000 und 40.000 km unterwegs und mit meinem aktuellen Fahrzeug genauso wie mit dem Vorgänger Citroën C6 sehr zufrieden. Aber es gilt beim Auto (wie auch bei der Fotoausrüstung) wie immer der Grundsatz: Das Bessere ist der Feind des Guten. Mal sehen, wie der Stand der Dinge hier in 2013 ist.

  1. Wir haben jetzt Mitte März 2013 – fast 1/2 Jahr nach dieser Testfahrt. Ab und zu sehe ich einen DS5 auf unseren Straßen. Noch viel seltener einen C6. Und ich habe den C220 inzwischen gegen ein E250 T getauscht. Viel Platz, 7-Gang Automatik, Start/Stop – und serienmäßig Luftfederung auf der Hinterachse. Der Fahrkomfort ist da am nächsten an einem Citroën dran – und der DS5 leider am weitesten davon weg Ich bin immer noch gespannt auf einen DS9… Tja, Citroën oder Mercedes…

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