Fotobücher im Vergleich – epubli und blurb

Fotobuchvergleich blurb und epubli
Fotobuchvergleich blurb und epubli

Motivation

Letzten Monat habe ich meine Tante anlässlich ihres 86. Geburtstages besucht. Wir wohnen nicht in der selben Stadt und somit sind kleine Geburtstagsfeiern – gerade im höheren Alter – immer ein schöner Anlaß, ein paar Erinnerungsbilder zu schießen und diese hinterher auch zu verschicken. Nicht jeder möchte die Bilder aber nur über irgendwelche Cloud-Dienst gesendet und auf einem Tablet-Computer präsentiert bekommen, sondern ganz altmodisch in Album oder Buchform in die Hand nehmen und durchblättern. Ich gehöre übrigens auch zu diesen Leuten. Nicht aus Allem muß eine Fotoalbum oder -buch werden, aber man nimmt sich aufgrund der (praktischen) Digitalisierung leider viel weniger Zeit als früher für diese Art der Präsentation. Aber mit welchem Anbieter probiere ich hier nun mein Glück bei diesem Neustart in Sachen Fotobuch?

Vor einigen Jahren hatte ich in der zu dieser Zeit aufkommenden Applemania mal ein Buch mit iPhoto erstellt – das war schon ganz nett, aber seit dem habe ich in diese Richtung nichts mehr unternommen. Nun, aus der Kirche mit dem Apfel bin ich vor Kurzem nach über 10 Jahren wieder ausgetreten – daher wollte ich mir eine plattformunabhängige Lösung suchen. Mit dem letzten Adobe Lightroom-Update wurden auch die blurb-Vorlagen installiert und erinnerte mich an den Gutschein für die Erstbestellung. Soweit so gut – aber der Preis für ein 30x30cm großes Fotobuch mit ein paar Seiten ist auch nicht gerade ein Sonderangebot – trotz 20%-Gutschein. Das muß auch günstiger gehen, dachte ich mir – und nach einigem Recherchieren stieß ich auf epubli.

blurb und epubli

epubli Website

Die Website erinnerte mich sponatan an blurb – ähnlich Aufmachung, ähnliche Abläufe bei der Bestellung – wenn man von der nicht vorhandenen Lightroom-Integration mal absieht. Aber das wird dann auch die deutlich unterschiedliche Zielgruppe deutlich: bei blurb ist liegt der Schwerpunkt auf der künstlerischen Produktion – man kann aber auch ein einfaches Textbuch produzieren lassen.

blurb Website

Bei epubli ist das genau andersherum: der Fokus liegt hier auf dem Selbstverlag, man kann aber auch ein Fotobuch drucken lassen. Bei epubli gab es tatsächlich auch ein quadratisches 30cm-Fotobuch-Format – und das bei einem drittel des Preises, der für blurb zu bezahlen war. Also habe ich das blurb-Projekt aus Lightroom als PDF exportiert und einfach bei epubli hochgeladen.

Ergebnisse

Die Lieferzeit war bei beiden Anbietern etwas schneller als auf der jeweiligen Website angekündigt. Über epubli habe ich drei Exemplare bestellt, zwei sind sofort verschenkt worden. Das Positive zuerst: die Bücher kamen gut an und die Freude der Beschenkte war groß. Die Ergebnisse im Detail betrachtet waren aber offensichtlich so unterschiedlich, daß ich spontan beschloß, diesen Artikel hier zu schreiben. Wie man auf dem Titelbild für diesen Artikel schon sehen kann, ist die Ausstattung der Bücher verschieden: während bei epubli ein berucktes Hardcover geliefert wird, hat man bei blurb die Möglichkeit, einen Schutzumschlag zu gestalten. Deshalb auch die unterschiedliche Aufmachung – ich habe für ebpubli das PDF nochmals angepasst, damit der Druck für dem Umschlag auch das richtige Format hatte.

Helligkeit und Besonderheiten bei Schwarzweiß

Nun erwartet man ja irgendwie bei einem 75MB großen PDF-Dokument, das über einen sehr einfachen Worklow auf die Server der jeweiligen Produzenten hochgeladen wird, eine entsprechend neutrale Wiedergabe in Sachen Helligkeit und Farbtreue. Also einen Schwarzweißdruck, wie er dem Graustufen-PDF am Bildschirm in etwa entspricht. Es wurde bei beiden Herstellern jeweils das angebotene matte Papier gewählt. Aber Buch ist nicht gleich Buch und es gibt eine Reihe auffälliger Unterschiede:

Druckergebnis epubli

Das Buch von epubli macht stellenweise einen sehr hellen – bei manchen Bildern für mich zu hellen – Eindruck. Dazu kommt, daß hier auch eine teilweise deutliche Rasterung der Grauwerte zu sehen ist – obwohl die Bilder an sich sehr scharf wiedergegeben werden. Die Grauwerte sind aber allesamt farbneutral, es scheint sich wirklich um einen Schwarzweiß-Druck handeln. Ein weiteres Manko sind für mich allerdings die teilweise gehäuft auftretenden Fehler vor allem bei mitlleren und hellen Grauwerten in Form von weißen Flecken:

Farbaussetzter bei epubli

Das erinnert manchmal ein wenig an eine Zeitung. Leider ist auch der Umschlagdruck des Hardcovers mit hellen Streifen durchzogen – o.k., ich gebe zu, daß ein platter Hellgrau-Wert hier schon eine harte Nuß für den Druck ist. Für die Zukunft werde ich besser ein vollflächiges Bild nehmen.

Druckergebnis blurb
Druckergebnis blurb

Aber nun zum Ergbnis von blurb – und da wird der Unterschied sehr deutlich: Der erste Eindruck war spontan „ist das Dunkel“. Stellenweise zu dunkel, aber dafür gestochen scharf und keinerlei Raster oder Farbaussetzer wie bei blurb. Die Wahrheit der Helligkeitswerte des PDF liegt m.E. tatsächlich irgendwie in der Mitte. Ich habe mehrere Personen befragt, und es gibt keine klares Votum, ob die hellere (ebubli) oder dunklere (blurb) Ausführung besser gefällt. Was aber bei blurb stört: es zieht sich ein Blaustich durch das ganze Buch. Wie mir der blurb-Support erklärt hat, liegt das daran, daß – obwohl es ein PDF mit reinen Graustufen-Bildern ist – der Druck als Farbdruck ausgeführt wird.

Verarbeitung der Inhaltsseiten

Bei den Seiten der beiden Bücher gibt es ebenfalls deutliche Unterschiede. Bei epubli kann man verschiedene Papierstärken bei der matten Ausführung wählen: 90, 170 und 250g. Ich habe mich hier für 250g entscheiden, da es sich nur um ein relativ dünnes Buch mit 24 Seiten handelt. Die Qualität und Haptik ist sehr ordentlich und macht einen stabilen Eindruck.

Beschnitt der Ränder bei epubli
Beschnitt der Ränder bei epubli

Mir sind allerdings auf verschiedenen Seiten deutliche Griffspuren der Druckmaschinen – sichtbar als kleine Glanzlichter – auf dem matten Papier aufgefallen. Man sieht diese Spuren nicht sofort, sondern nur, wenn man das Buch etwas schräg in das Licht hält. Das hat mir aber trotzdem nicht so gut gefallen. Ein weiterer Minuspunkt bei meiner Bestellung waren die schief beschnittenen Seiten bei epubli. Im Vergleich dazu sind die Seiten bei blurb ordentlich beschnitten, es bleiben keine weißen Ränder zurück.

Beschnitt der Ränder bei blurb
Beschnitt der Ränder bei blurb

Das Papier bei blurb hingegen ist nicht wirklich das, was man sich unter matt vorstellt. Es hat einen leichten Seidenglanz, nicht unangenehm, aber nicht das, was ich erwartet habe. Es handelt sich um das als Premium matt bezeichnete Papier, 148g schwer. Das ProLine Papier mit 190g war mir dann doch für dieses erste kleine Projekt zu teuer. Ebenso der bedruckte Festeinband, der ebenfalls in einem deutlichen Aufreis gegenüber dem Schutzumschlag resultiert hätte. Zu den Preisen aber ganz zum Schluß beim Fazit.

Bindung und Vorsatzpapier

Beide Bücher sind ordentlich verarbeitet und machen den Eindruck, als ob Sie nicht nach ein paar Mal umblättern auseinanderfallen:

Bindung epubli

Man sieht hier deutlich die Stabilität das 250g-Papieres bei epubli.
Das Vorsatzpapier war bei dem blurb-Exemplar leider etwas wellig verklebt – ein Schönheitsfehler, der bei dem Preis nicht passieren sollte. Das Papier ist hier wie oben erwähnt dünner – und das sieht man hier:

Bindung blurb

Nicht daß das Buch billig wirken würde – aber ein 250g-Papier ist schon eindrucksvoll für ein Großformat-Buch und so würde ich beim nächsten Versuch wahrscheinlich bei blurb den Mehrpreis für das ProLine-190g-Papier investieren.

Erfahrung mit Reklamationen bei beiden Anbietern

Beide Bücher sind zwar auf den ersten Blick ganz ordentlich, entsprechen aber nicht zu 100% meinen Vorstellungen. Ich habe deshalb beide Anbieter per eMail kontaktiert und auch Bilder aus dem Artikel hier mitgesendet – ohnen natürlich vorher zu sagen, daß es hier einen Artikel geben wird – das wusste ich zu dem Zeitpunkt selber noch gar nicht. Beide Anbieter haben sehr schnell reagiert: blurb hat mir angeboten, das Buch erneut zu produzieren und mir Möglichkeiten zur Verfügung gestellt, die Helligkeitswerte anzupassen. Eine erneute Produktion ist durch einen mitgeschickten Gutschein auch kostenfrei. Anbieter ebupli bestand trotz der Bilder auf die Einsendung der Bücher – ich hatte drei Exemplare bestellt. Eines habe ich nun zurückgesendet und bin gespannt, wie hier das abschließende Urteil ausfällt. Man hat mir aber auch schon mitgeteilt, eingegesendete mängelbehaftete Exemplare kostenfrei nachzuproduzieren. Reklamationen werden also durchaus ernst genommen – besonders unkompliziert und schnell hat hier blurb reagiert.

Fazit

Auf eine Punktewertung in den Einzeldisziplinen wie in einem olympischen Mehrkampf will ich mal verzichten, da die Ausstattung der Bücher zwar durchaus ähnlich ist, aber in vielen Punkten der Vergleich ein wenig hinken würde. Auffälligster Unterschied ist auf jeden Fall der Preis: während für ein Exemplar bei epubli knapp 25,- € fällig waren, schlug das Buch bei blurb in der hier besprochenen Ausführung mit ca. 78,-€ zu Buche – jeweils zzgl. Versand. Bei blurb wurden 20% Rabatt für die Erstbestellung abgezogen. Mein Fazit an dieser Stelle: das Preis-/Leistungsverhältnis wäre bei epubli sehr gut, wenn die beschriebenen Punkte restlos behoben sind – hier bin ich echt gespannt. Die Preise bei blurb finde ich tatsächlich im Vergleich zum Wettbewerb deutlich zu hoch. Interessant ist aber hier die Lightroom-Integration und auch PDF-to-Book PlugIn für Adobe InDesign – das werde ich demnächst auf jeden Fall einmal ausprobieren.
Ich werde mich aber auf jeden Fall nach weiteren Anbietern umsehene und diese testen. Wenn Ihr hierzu ebenfalls Erfahrung gemacht habt – mit epubli, blurb oder anderen – freue ich mich über Feedback.

  1. Nach langem Warten und zwei Erinnerungs-Mails kam heute die epubli-Ersatzlieferung: alles Besten, schade, daß das nicht gleich so geklappt hat. Aber am Ende zählt das Ergebnis und die anfängliche Enttäuschung ist Geschichte.

    • Ich habe auch soeben drei Bücher von epubli erhalten, von denen ebenfalls eines fehlerhaft ist. Mich würde interessieren, wer die Kosten für die Rücksendung des fehlerhaften Buches übernommen hat. LG

      • Die Kosten für die Rücksendung wurden von epubli übernommen und nach Belegeinreichung recht zügig erstattet.

  2. Vielen Dank für die schnelle Antwort!

  3. Hildburg Schlenzka

    Vielen Dank für den Artikel, den ich sehr hilfreich finde. Ich habe vor zwei Jahren bei der Erstellung eines Photobuchs neben Blurb, CEWE und fotobuch.de ausprobiert. Mir hat damals von der Qualität her eindeutig fotobuch.de am besten gefallen. Gibt es inzwischen weitere Erkenntnisse beim Vergleich der Anbieter?

    • fotobuch.de habe ich selbst noch nicht probiert. Ich habe aber bei fotobuchberater.de einen umfangreichen Vergleich und eine Art Such-/Empfehlungs-Formular gefunden. Inwieweit hier aber echte persönliche Kundenerfahrungen einfließen, kann ich nicht beurteilen – sieht auf den ersten Blick nach zuviel Marketing aus, aber zur Orientierung möglicherweise hilfreich.

  4. Hildburg Schlenzka

    Ein sehr verspätetes „Danke“ für den Link zum fotobuchberater.de. Ich war in den vergangenen Monaten durch andere Aufgaben absorbiert und habe mich erst jetzt wieder dem Buchdruck gewidmet. Gestern habe ich ein Buch von epubli geliefert bekommen und bin sehr zufrieden mit der Qualität. Es ist jedoch ein Textbuch. Das farbige Cover konnte ich selbst gestalten und es ist sehr schön geworden. Auch der Upload des PDFs ging sehr unkompliziert. Allerdings habe ich mir vorher einen Batch PDF-Merger zugelegt. Ich habe einen Mac und benutze Pages und das war für mich die einfachste und günstigste Lösung. Das Resultat von epubli hat mich motiviert weiter an meinem Buch mit den vielen Bildern zu arbeiten und da stiess ich auf den Link zu Ihrer Webseite, den ich mir notiert hatte… Ich habe mich entschlossen das bebilderte Buch auch bei epubli drucken zu lassen. Über das Resultat werde ich berichten.

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