Thorsten Overgaard Foto-Workshop London 2013

Die Motivation – Warum bucht man dieses Seminar

Wenn man arbeitet, studiert oder als Künstler auftritt hat man gewöhnlich ein Ziel: das zu verbessern was immer die eigene Profession sein mag. Egal, auf welcher Stufe man angekommen ist. Die Menschen haben einen natürlichen Instinkt, das zu verbessern, was sie gerade tun, und jeder sollte deshalb überlegen, wie weit er oder sie es mit der eigenen Profession bringen möchte.

Für mich stand mein Ziel für meine Arbeit als Fotograf fest: Ich wollte von den Besten auf dem Gebiet lernen und meine eigenen Fertigkeiten verbessern.

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Thorsten Overgaard und Joy Villa

Ich verfolge die Website von Thorsten Overgaard seit Anfang 2010 und habe meine Ausrüstung im August des gleichen Jahres von Nikon / Carl Zeiss auf Leica umgestellt. Neue Werkzeuge anzuschaffen war der erste Schritt, um meine Ergebnisse in die Richtung zu bewegen, in der ich sie haben wollte, aber mit Leuten zusammen zu sein, die wahrscheinlich ähnliche Ideen verfolgen und dabei einen Meister seines Faches zur Seite zur haben, dem man zuhören und den man fragen kann ist eine weiterer Schritt.

Mein Kalender für Januar 2013 hatte einige weiße Flecken und so entschied ich mich, daß Seminar in London zu buchen. „Du bist im Januar in London zu einem Foto-Seminar?“ fragten mich die Leute. Ja – weil es nicht wirklich wichtig ist, zu welcher Jahreszeit und an welchem Ort es stattfindet. Die persönlichen Ziele und der persönliche Zeitplan sind ausschlaggebend – und die Motivation, etwas zu lernen.

Der erste Abend – Standortbestimmung

Als wir uns am Treffpunkt am Fitzroy House um 18:00 Uhr trafen wurden wir von Thorsten und Joy Villa begrüßt und Thorsten besprach mit uns den geplanten Ablauf für die nächsten Tage. Der Seminar-Plan besteht in diesem Fall nicht aus einem Stundenplan, sondern aus großen Blöcken, vergleichbar mit den Überschriften dieses Artikels. Mehr wird nicht benötigt, der Rest ergibt sich von allein. Und Thorsten hatte recht damit, als er das sagte.

Um festzustellen, wo der Einzelne mit seiner Fotografie steht und wo er hin möchte, sollte jeder Teilnehmer zwei Fragen beantworten und im Anschluß erzählte jeder seine Geschichte – ja, jeder, denn es gab nur männliche Teilnehmer zwischen Mitte 30 und Mitte 40.

Look right!
Look right!

 

Jeder brachte außerdem seine gesamte Ausrüstung an diesem Abend mit – Objektive, Kameras – alle Leica M-Gerätschaften. Nachdem wir gemeinsam die Sammlung auf dem Tisch durchgesehen hatten lehnten wir uns zurück und Thorsten erzählte uns die wesentlichen Dinge zur Fotografie. Man kann sicher auch Bücher darüber lesen, aber man kann eben auch Zuhören und dabei direkt Fragen stellen, um mit den entsprechenden Antworten dann gleich auf dem Punkt zu landen.

Alles wird vor dem Hintergrund zweier Dinge beleuchtet: dem Licht und dem Einsatz von Werkzeugen, um dieses Licht einzufangen.

Mit diesem sehr fundamentalen aber auch minimalistischen Ansatz im Kopf und mit neuen Erkenntnissen über die verschiedenen Einstellungen des eigenen Werkzeuges ausgestattet freuten wir uns auf den nächsten Morgen – um durch London zu ziehen, immer auf der Suche nach dem Licht.

Der erste Tag – Auf der Suche nach dem Licht

Wir trafen uns im Café Uno in der Charlotte Street zum Kaffee und Frühstück und danach ging es los. Ich war schon zu Beginn überaus erfreut, hatte ich doch die Chance mit Thorstens Noctilux auf meiner Kamera loszuziehen, während er mit einem Summicron 50 (1964) auf die Jagd ging.

Checking the tools (© 2013 David Ringel)
Beim überprüfen der Ausrüstung
(© 2013 David Ringel)

 

Wir schafften gerade 250 m, als wir gleich in einer neu eröffneten Gallerie landeten.

Barrie down on his knees
Barrie auf den Knien

 

Thorsten and the gallery owner
Thorsten und die Galeristin

 

Wir zogen als Gruppe los, fotografierten manchmal die gleichen Motive, versuchten manchmal unterschiedliche Dinge, verschiedene Positionen und Winkel, um eine Szene so einzufangen, wie man sie festhalten wollte.

Suspicious look
Verdächtiger Blick

 

Wenn man als Gruppe unterwegs ist, hat man außerdem immer Spaß und meistens eine Person als Fotomotiv in der Nähe, auch um spontan etwas neues auszuprobieren.

Happiness
Freude

 

Stranger
Unbekannter Passant

 

Crossing the street
Über die Straße

 

Nach einer Weile besuchten wir The Classic Camera, um zu sehen, was hier geboten wird. In Geschäften oder Cafés ergeben sich immer nette Gelegenheiten für interessante Bilder.

Reflection
Spiegelung

 

In love with that bag?
In diese Tasche verliebt?

 

Etwas später machten wir eine Pause bei Red Dot Cameras. Thorsten und Joy kannten die Mitarbeiter, einige von uns erstanden einen neuen Barton1972 Kameragurt.

Inside Red Dot
Bei Red Dot

 

David in front of the store, armoured with two M's
David vor dem Geschäft, bewaffnet mit zwei M’s

 

The team inside Ret Dot
Die Gruppe im Geschäft bei Ret Dot

 

Am frühen Abend endete die Tour im Leica Store Mayfair. Man fühlt sich in diesem Laden gleich wie zu Hause. Man bot uns Kaffee und eine Besichtigung des neuen Studios im Obergeschoß an.

The team with the general manager of the Leica store
Thorsten, Patrick und Joy mit dem Geschäftsführer des Leica Store

 

Barri Gledden checking out the Noctilux (© 2013 Robert Lemm - Leica M9 with Leica 35 mm Summiilux-M ASPH f/1.4)
Barrie probiert das Noctilux an seiner M9, Leica Store Mayfair, London

 

Patrick and David joining singer, actress and model Joy Villa
Patrick und David zusammen mit Sängerin, Schauspielerin und Model Joy Villa

 

Barrie, Matthew, David und ich entschieden uns danach noch zu einem Besuch eines nahegelegenen Pubs, als der Leica Store schloß.

Barrie and David
Barrie und David

 

Matthew and Robert
Matthew und Rob
(© 2013 David Ringel)

 

Couple in the pub (© 2013 David Ringel)
Paar im Pub
(© 2013 David Ringel)

 

Der zweite Tag – In der Dunkelkammer

Am zweiten Tag erläuterte uns Thorsten seine Sicht, wie man mit den Dateien umgehen sollte, die wir zuvor auf unseren Speicherkarten gesammelt hatten. Wir hatten am Tag zuvor vereinbart, die Karten nicht anzurühren, um vom selben Punkt aus zu starten. An diesem Tag verbrachten wir die meiste Zeit am Computer in der elektronischen Dunkelkammer – wir arbeiteten mit der Software Adobe Lightroom.

Interessanterweise habe ich mit Lightroom schon seit einigen Jahren gearbeitet, allerdings mit einem völlig anderen Ansatz.

Für mich macht der andere Workflow, den Thorsten vorschlägt, absolut Sinn und ich werde von diesem Ansatz nachhaltig profitieren.

Zur Zeit stecke ich mitten in einer Reorganisation meiner Dateien hier, in den vergangenen Jahren habe ich zuviel auf verschiedenen Computern und Festplatten gespeichert und war gerade dabei, langsam aber sicher den Überblick darüber zu verlieren, was gerade auf welchem Rechner oder Laufwerk gespeichert war.

Es gibt daher nicht viele Bilder von diesem Tag, aber eines, das nach der Mittagspause entstand. Ich liebe dieses Bild!

London
London

 

Der dritte Tag – Unterweisung am Objekt – zwei Portrait-Shootings

An diesem Tag trafen wir uns zu einer kurzen Einführung im Fitzroy House. Während wir uns unterhielten und zur ersten Session loszogen war unser Model Joy Villa damit beschäftigt, die richtige Kleidung und Schmuck von Creative Solutions Art & Design auszusuchen und bekam danach ein Make-Up von Jack Tyson, mit dem sie schon vorher zusammengearbeitet hatte. Es ist echt beeindruckend, wie das Aussehen mit einem professionellen Make-Up beeinflusst werden kann. Wir trafen Joy dann später zu zweiten Session wieder.

Für Portraits ist es noch wichtiger, die korrekten Einstellungen an der Kamera für Weißabgleich und Belichtung vorzunehmen.

Der eingebaute Belichtungsmesser der Kamera ist nicht in der Lage, den exakten Wert des von der Person reflektierten Lichtes zu ermitteln. Thorsten gab uns außerdem wertvolle Tips, wie man die passende Lokation findet, wie man mit dem jeweiligen Fotomodel umgeht und sich als Fotograf korrekt verhält.

Setting up for the portrait
Vorbereitung für das Portrait-Shooting

 

Barrie Gledden
Barrie Gledden

 

Barrie shooting James
Barrie fotografiert James

 

Für die zweite Session hatten wir wieder unser Model Joy Villa dabei – in einem umwerfenden Outfit und Make-Up! Wir suchten eine passende Lokation und blieben dabei am Fitzroy Place da es doch einigermaßen kalt war – jedenfalls für ein Model, daß nicht gerade viel an hat. Es war wirklich ein umwerfendes Shooting, es ist so wertvoll, ein Model am Start zu haben, das sich zu bewegen weiß und wo jede Pose sitzt und einen Trainer, der mit dem Model auch ohne zu sprechen kommuniziert und nebenbei noch die Kameraeinstellungen der Teilnehmer überprüft.

Wir hatten alle einen unglaublichen, sehr kreativen und inspirierenden Nachmittag.

Joy climbing a fence
Joy klettert auf das Geländer

 

Focus on the finger tips
Fokus auf die Fingerspitzen

 

Focus on the eyes
Fokus auf die Augen

 

Joy Villa
Joy Villa

 

James shooting Joy
James fotografiert Joy

 

Checking the exposure again with the light meter
Prüfen der Belichtung mit dem Belichtungsmesser

 

Posing on the sidewalk
Posing auf dem Bürgersteig

 

Der Meister und das Team – Ein einzigartiges Zusammenspiel

Eine ganz besondere Sache während dieses Workshops war der Teamgeist, der durch die Kombination zweier Dinge entstand: die einzigartige Präsenz eines Meisters seines Faches, der seine Ideen weitergeben möchte und kann sowie die Anwesenheit von Teilnehmern, die das gleiche Ziel verfolgen – besser werden durch Lernen.

Und es kommt dabei nicht wirklich darauf an, ob man neu in der Fotografie ist oder schon ein paar Jahre unterwegs. Wir alle kamen aus unterschiedlichen Ländern und Berufen. Patrick aus den Niederlanden, der aber in England lebt, Matthew aus den USA, lebt aber in den Niederlanden, Barrie als einziger Brite, David und ich aus Deutschland, Thorsten aus Dänemark und Joy aus den USA. Sonntag kam noch James aus Cambridge zur Gruppe. Einige von uns waren ziemlich neu im Thema, andere fotografieren schon eine ganze Weile.

Aber alle verbindet die gleich Liebe für Leica Kameras und Objektive und wir wollten alle das beste damit erreichen. Alle waren auf der Suche nach neuer Inspiration und wollten von Thorstens Erfahrung profitieren. Und alle verfolgen den gleichen Ansatz der alten Schule, in dem man als Fotograf die volle Kontrolle hast über das, was passiert.

Thorsten sharing his knowledge with us
Thorsten bei der Weitergabe seines Wissens

 

Das war unsere gemeinsame Basis, von der wir gestartet sind. Und wir alle haben unglaublich von dem glücklichen Umstand profitiert, das Thorsten und Joy zusammen ein perfekt eingespieltes Team sind, uns immer geholfen haben, wenn Hilfe benötigt wurde, uns angeleitet oder einfach nur inspiriert habe – immer mit der gerade benötigten Intensität.

Es herrschte eine einzigartige Magie, die man während des ganzen Workshops spüren konnte.

Gotcha!
Hab‘ Dich!

 

Mein Fazit – Warum ich dieses Seminar empfehle

Für mich war dieses Seminar sehr wertvoll und kam zur richtigen Zeit.

Zuerst stelle Dir die Frage von oben nach der Motivation – kannst Du die mit „ja“ beantworten, dann solltest Du es machen.

Man musst nicht notwendigerweise ein Leica-Verrückter sein wie alle sonst hier, aber es erleichtert die Sache ungemein. Und wenn man – wie alle Leute, die ich hier kennengelernt habe – einen anderen Fotografie-Ansatz verfolgst, als die meisten der Kollegen, die mit großen und schweren Spiegelreflex-Ausrüstungen losziehen, dann sollte es passen. Die Informationen, die während dieses Workshops geliefert werden, bringen es immer auf den Punkt und Thorsten Overgaard sorgt dafür, daß man sich gut aufgehoben fühlt und vermittelt einem zusätzlich Selbstvertrauen während und nach dem Workshop.

Es ist nicht die Ausrüstung, die für das Bild verantwortlich ist, sondern der Fotograf, der die Ausrüstung in der Weise einsetzt, um das einzufangen, was er in diesem winzigen Moment der Zeit sieht und auf das Bild bringen will.

Wenn man eine Ausrüstung mit hohem Potential dabei hat, macht es natürlich die Arbeit angenehmer.

Nun, während dieses Workshops habe ich mich in ein Objektiv verliebt, daß ich schon immer haben wollte – das Noctilux – und ich werde umsteigen. Dieses Objektiv hat ein derart großes Potential, den Fotografen bei der Erzielung außerordentlicher Ergebnisse zu unterstützen. So gibt es immer eine Möglichkeit, neben dem Wissen AUCH das Werkzeug zu verbessern…

Wer mehr über den Workshop in London erfahren möchte und sich dafür interessiert, was Thorsten Overgaard und Joy Villa dieses Jahr noch so vorhaben, dem empfehle ich diesen Artikel auf Thorsten’s Website.

  1. David Ringel

    Sehr schöne und v.a. treffende Zusammenfassung von diesem Workshop! Text wie Bilder, denke ich, machen den Kurs atmosphärisch auch für Außenstehende erfaßbar. Die knapp 4 Tage hatten in der Tat etwas magisches, eine besondere Schwingung, die noch lange bei allen Teilnehmern nachklingt.
    David

  2. Danke für das Feedback, David! Ich habe so viele Anregungen mitgenommen, da werde ich noch lange von zehren.

  3. André Dicken

    Lieber Rob Cale!

    Vielen Dank für die gelungene und ausführliche Darstellung, zumal ich auch überlege, einen work shop bei Thorsten Overgaard zu belegen. Was mich sehr interessieren würde, wären Ihre Überlegungen zum Noctilux und dessen Potential. Ich glaube, dass es vor allem die Freistellungs-/3D-Wirkung auf mittlere Distanz sind, die es auszeichnen, weniger auf die kurze Distanz, dies können andere Objektive auch (wenngleich nicht so eindrucksvoll). Wie sehen Sie das?

    Viele Grüße aus dem Rheinland, André

    • Lieber André,
      das Noctilux ist für mich fast so etwas wie das Standard-Objektiv geworden. Vor allem wegen der extremen Freistellungswirkung und der wie ich finde einzigartig weichen Auflösung des Hintergrundes. Ich nutze diese Effekte sowohl für kurze Distanzen (Portraits oder bei der Objektfotografie, vor allem bei Details von Automobilen), aber auch bei mittleren Distanzen (Verantstaltung, Street) liefert genau dieser Effekt das Bildergebnis, das ich mir wünsche.
      Viele Grüße aus Langenhagen, Rob

  4. Pingback: Thorsten von Overgaard Workshop Jan 2013 | DR Photography

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